Drei Engel in der Weihnachtszeit

 

Bekanntlich ist die Weihnachtszeit, in besonderem Maße die Zeit der himmlischen Heerscharen.  So nahmen sich die drei Engel, Daniel, Manuel und Samuel vor, zu diesem Christfest einigen Menschen ganz persönlich eine Freude zu bereiten. Dies erforderte jedoch bereits im Vorfeld einiges an Vorbereitung, um am Weihnachtsabend gezielt einige Menschen zu besuchen. So schauten sie in die Wohnungen der Menschen. Sie waren bei Einsamen und in Familien ein unsichtbarer Gast. Sie flogen über Städte und Dörfer, um die Menschen in ihrer Geschäftigkeit zu erleben. Oftmals tauschten sie sich über ihre Begegnungen und Erlebnissen auf der Erde aus, wenn sie von ihren Erkundigungen zurück waren. Der Heiligabend rückte näher und immer waren die drei noch sehr unentschlossen. Ihre Zeit auf der Erde würde nicht ausreichen, um überall dort Weihnachtsfreude zu bringen, wo sie dringend benötigt wurde. Längst hatten sie erkannt, daß das Leben auf der Erde nicht so friedlich und schön war, wie die weihnachtlichen Melodien, die bis in den Himmel empor drangen. Viele Menschen waren verzweifelt, trotz oder gerade in dieser dunklen Jahreszeit, in der es auf das Fest der Feste zuging. Einsame fühlte sich doppelt einsam, Verzweifelten fehlte die Zuversicht, anderen fehlte der Mut schwere Situationen durchzustehen. Manches Mal waren die drei so frustriert nach ihren Ausflügen zur Erde, daß sie ihr Vorhaben am liebsten ganz aufgeben wollten. Doch immer wieder machten sie sich gegenseitig Mut. Besser einige wenige zu erfreuen, als gar nichts zu tun, sagten sie sich dann.

Am Morgen des Heiligen Abends war ihre Aufregung kaum noch zu verbergen. Man sah ihnen förmlich an, daß etwas in der Luft lag. Doch schnell verlor man sie aus dem Blickfeld, denn an diesem besonderen Tag herrschte stets große Aufregung im Himmel. Jeder Engel hatte seine Aufgaben, die ihn voll ausfüllten. Als alle voll mit ihren Aufgaben beschäftigt waren, schwebten unsere drei Engel, in der anbrechenden Dämmerung hinab zur Erde.

Daniel flog noch eine Runde über der Stadt, die er sich auserwählt hatte und wollte gerade bei einer alten Dame einkehren, die in Gedanken versunken am Fenster saß, als er einen Mann auf der Brücke stehen sah. Schnell flog er zu ihm, setzte sich auf das Brückengeländer und lächelte ihn an. Trotz seiner Verzweiflung spürte der junge Mann plötzlich eine Veränderung in sich. Ihm wurde warm ums Herz. Was ist mit mir los, fragte er sich. Mein Entschluß stand fest und nun? Bin ich etwa zu feige und wankelmütig geworden, fragte er sich. Doch das Gefühl in seinem Innern ließ sich nicht verdrängen. Auf einmal mußte er an seine Eltern denken und er sah Wege, die ihn aus seiner Verzweiflung hinausführten. Ihm kamen Gedanken, die er zuvor nicht kannten, die ihm zeigten, wie er seinen Weg ändern könnte. Mutig drehte er um und ging heim. Als seine Frau ihn ins Zimmer treten sah, rief sie: „Wo bist du nur gewesen, ich haben mich so gesorgt!“ Sein kleines Töchterchen kam auf ihn zu gerannt und umarmte ihn. Da erkannte der junge Mann, daß Weihnachten war, das Fest der Liebe und das sie gemeinsam ihre Situation lösen würden. Daniel flog weiter und besuchte die alte Dame. Es wurde Zeit auch ihr die Weihnachtsbotschaft zu bringen. Mit ein paar liebevollen Gedanken forderte er sie auf dem Glockenklang zu folgen und in die Kirche zu gehen. Es war Weihnachten. ‚Eigentlich wollte ich heute nicht mehr aus dem Haus gehen‘, dachte sie bei sich. Doch als die schon auf dem Weg zum Gotteshaus ihre alte, längst vergessene Freundin Gerda traf, war für beide Frauen das Fest der Liebe gekommen. Zufrieden kehre Daniel in sein himmlisches Reich zurück. Auch Manuel war gerade eingetroffen, der viel zu berichten hatte. „Eigentlich dürften wir nicht nur am Weihnachtsabend zu den Menschen fliegen. Es gibt soviel zu tun. Wir müßten unbedingt öfter einmal den Weg zur Erde finden“, meinte er.  Was Daniel nur bejahen konnte. Gemeinsam warteten sie nun auf ihren Freund Samuel, der anscheinend immer noch alle Hände voll zu tun hatte.

Dieser war indessen auf einem Bauernhof eingekehrt. ‚Wie zur Zeit, Jesu‘, dachte er bei sich. Ochs und Esel stehen friedlich im Stall und erfreuen sich an einer gefüllten Futterkrippe. Dann sah er ins Fenster und merkte, daß die Eltern nicht einmal die Zeit für den Kirchgang erübrigen konnten, da sie vor Arbeit nicht aus noch ein wußten. Doch als sie am Abend zur Ruhe kamen, setzten sich beide an den Kachelofen und der Vater schlug das Evangelium auf und las. Trotz der vielen Arbeit war nun auch hier die Weihnachtsbotschaft eingekehrt. Samuel flog weiter und entdeckte noch Licht in einem Fenster. Hier wohnte die kleine Hanne. Sie war so aufgeregt, von all dem, was der Abend gebracht hatte, daß sie nicht einschlafen konnte und heimlich noch einmal das Licht eingeschaltet hatte. Nun saß sie unter dem Tannenbaum und träumte vor sich hin. ‚Sie wird sich erkälten‘, dachte Samuel bei sich. Mit seinen Flügeln hob er behutsam das träumende Kind empor und legte es in sein Bett. Leise, kaum hörbar summte er Weihnachtlieder, die Hanne endgültig beruhigten und in süße Träume mitnahm.

Jetzt war es auch für ihn Zeit zum himmlischen Fest zu erscheinen, dann auch bei den Engeln wurde die Christnacht auf ganz besondere Weise gefeiert. Man gedachte der Engel, die damals in Bethlehem die Botschaft von Jesu Geburt verkündigten. Nie wurden sie müde, diese Botschaft in jedem Jahr neu zu hören. © Christina Telker

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