Tierweihnacht

 

Raschelnd knistert das Papier. „Hast du noch Schleifenband für mich?“ Franzi ist dabei das Geschenk für Papa einzupacken. Mit viel Fleiß hat sie aus Schachteln ein kleines Schränkchen für den Papa gebastelt. Hierin kann er kleine Schrauben und Nägel aufbewahren. „Hier hast du Schleifenband, dafür hilfst du mir bitte beim Beschriften der Geschenke, du hast so eine saubere Schrift.“ „Klar, mach ich doch gerne.“ Franzi blinzelte ihrem Bruder zu, sie kannte seine Schwäche mit der Handschrift.

„Franzi, Peter, seid ihr soweit, wir wollten doch in den Wald gehen!“ Der Vater klopft an die Tür des Kinderzimmers. „Ja wir kommen gleich“, schallt es ihm daraus entgegen.  Schon im Herbst hatten die Kinder fleißig Kastanien und Eicheln, Bucheckern und Zapfen gesammelt. Der Vater besorgte wie in jedem Jahr das Heu und dann gingen sie gemeinsam am vierten Advent die Tiere des Waldes besuchen. Peter und Franzi liebten den Wald. Im Sommer hielten sie sich viel dort auf und gingen mit ihren Eltern gemeinsam spazieren. Dabei hatten sie auch ausgekundschaftet, wo die Tiere sich aufhielten und wo sie im Winter das Futter auslegen könnten, damit Fuchs, Hase und Reh es auch finden. Jeder von ihnen nahm nun seinen Rucksack und los ging die Winterwanderung. „Schaut euch genau um und beobachtet, was sich im Winter im Wald verändert hat“, forderte der Vater seine Beiden auf. „Bei dem Schnee kann man doch gar nichts sehen“, antwortete Peter prompt. „Da irrst du dich aber, sieh dich ruhig um.“ Der Vater schmunzelte. Ab und zu flog ein Vogel auf und Schnee rieselte den dreien ins Gesicht. „Dort, schau Peter, der Schnee ist nicht glatt, wie bei uns im Dorf, überall sind Spuren“, machte Franzi ihren Bruder darauf aufmerksam. „Hab ich schon gesehen. Vati, von wem sind all die Spuren?“ Nun war es an dem Vater die einzelnen Fährten zu erklären.  Wie im Fluge verging den Kindern die Zeit zum Futterplatz der Tiere. Nun packte jeder seine mitgebrachten Schätze aus. „Schau, Mutti hat wie immer auch an uns gedacht, in meinem Rucksack ist heißer Tee!“ „Und in meinem sind Pfefferkuchen!“, setzte Peter hinzu. Rund um eine Tanne legten die Kinder das mitgebrachte Futter aus. An den Baum hängten sie Meisenringe und Nüsse für die Eichhörnchen. „Zum Fest kommen wir wieder her und sehen, ob die Tiere unsere Bescherung gefunden haben“, tröstete der Vater seine beiden, da er merkte, wie schwer es ihnen fiel jetzt wieder nach Hause zu gehen. Gerne wären sie geblieben und hätten die Tiere beobachtet.

 „Mich fängt schon an zu frösteln“, Franzi steckte schnell ihre Hände wieder in die warmen Handschuhe. Peter ordnete die einzelnen Gaben noch in Grüppchen an.  „Damit   sie sich nicht zanken“, meinte er. Frohgemut  mit einem Weihnachtslied nahmen sie Abschied von ihrem  Tierweihnachtsbaum und freuten sich  schon auf  das Fest und ihren Baum, den sie morgen mit dem Vater schmücken würden. Von Ferne sahen sie noch, wie ein Eichhörnchen als Erstes sich dem Baume näherte. „Sicher sagt es jetzt den anderen Tieren Bescheid“, meinte lächelnd der Vater.

(c) Ch. Telker

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