Wie der Christbaum zu uns kam

 

Gehen wir heute in der Zeit zwischen den Jahren durch abendliche Straßen, leuchten uns aus den Fenstern, von überall geschmückte Weihnachtbäume entgegen. Mal sind es Tannen, mal Kiefern, einmal mit Strohsternen und echten Wachskerzen versehen, ein anderes Mal mit bunten Kugeln und elektrischen Kerzen. Aber das war nicht immer so.

Zur Zeit unserer Urahnen hatten die Christbäume noch lange nicht in jede Wohnung Einzug gehalten. Weihnachtsbäume waren etwas für die Reichen. Längst nicht jeder konnte sich einen Tannenbaum in der Wohnung leisten.

Einst, vor langer, langer Zeit ging das Christkind

durch den verschneiten Winterwald um in das eine oder andere Fenster zu sehen. Wollte es doch wissen, ob die Kinder auch recht brav wären vor dem Weihnachtsfest. Als es so von Haus zu Haus wanderte, kam es auch bei Ursel vorbei, der Försters Tochter. Ursel war ein liebes kleines Mädchen, das seinen Eltern stets Freude bereitete. Als das Christkind bei dem Mädchen durchs Fenster sah, stellte es fest, dass die Kleine gerade schlafen gegangen war. Schon etwas müde sah sie durch ihr Fenster zum Mond hinauf, der sich gerade hinter einer Wolke verstecken wollte. Fast hätte Ursel das Christkind entdeckt, das draußen an ihrem Fenster stand. Als das Christkind das Mädchen so beobachtete, kam ihm eine Idee. Nicht weit von Ursels Fenster stand eine kleine Tanne. Schnell holte das Christkind rote Äpfel, Nüsse und Lebkuchen aus seinem Sack, den es bei sich trug, und schmückte damit die kleine Tanne. Die Nacht zog über Wald und Stadt.

Als Ursel am Weihnachtsmorgen erwachte, entdeckte sie die geschmückte Tanne vor ihrem Fenster. Der Reif hatte mit seinem Glitzern, den Baum in einen märchenhaften Zauber gehüllt. „Mutti, Vati“, rief das Mädchen, „kommt einmal her und seht. Das Christkind hat meine kleine weihnachtliche Tanne geschmückt.“ Die Eltern kamen gelaufen und konnten es kaum glauben, was sie da sahen. Schnell holte der Vater den Baum ins Zimmer. Zu keiner Weihnacht war Ursel so glücklich gewesen, wie in diesem Jahr, auf dem abendlichen Weg zur Christvesper. Jedem erzählte sie von ihrem kleinen Tannenbaum. So kamen zum Christfest Freunde und Gäste. Staunend standen sie vor dem geschmückten Baum. Er gefiel ihnen so gut, dass im nächsten Jahr jeder so eine kleine Tanne in der Wohnung haben wollte.

Im Laufe der Jahre brachte ein jeder seine Ideen mit ein beim Schmücken der Christbäume. So kamen Strohsterne, Kerzen, Kugeln, Lametta und viele andere kleine Köstlichkeiten hinzu. Der erste Baum wurde jedoch von Christkind selbst geschmückt. (c) Christina Telker

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