Der Weihnachtself

 

Im Land der Schneekönigin, dort wo Frost, Eis und Schnee das ganze Jahr über zu Hause sind, lebt der Weihnachtself. Wenn du ihn noch nicht gesehen hast, liegt es nur daran, daß du noch nie dort zu Gast warst. Er besitzt ein wunderschönes Schloß aus Eis mit Schneekristallen besetzt. Es funkelt dort nur so in den schönsten Farben, wenn das Polarlicht darüber hin leuchtet. Mit einem Rentierschlitten, der ganz mit dickem weißen Eisbärenpelz ausgeschlagen ist, kommt er zur Weihnachtszeit bis nach Lappland gefahren. Dort ist er für die Weihnachtszeit Gast bei Großväterchen Frost.

Wie jede Elfe ihre Aufgaben im Pflanzen, Tier und Menschenreich versieht, hat auch der Weihnachtself seine Aufgaben. In der Advents- und Weihnachtszeit bewacht er den Schlaf der Kinder und bringt ihnen die süßesten Träume. Er läßt sie einen Blick ins Weihnachtswunderland tun und begleitet sie in ihren Träumen ins Reich des Christkindes und in die Welt des Weihnachtsmannes. Er lehrt sie die Welt der Sterne kennen, führt sie die Milchstraße entlang und zum großen Bären. Jedoch hat nie ein Mensch den Weihnachtself bisher gesehen, da er es geschickt versteht sich zu verbergen.

Eines nachts sollte dies jedoch anders kommen. Erik lag in seinem Bettchen und hielt die Augen fest geschlossen. Wenn er so spät noch wach war, wäre die Mutti traurig, das wußte der Junge, denn Mutti schaute jeden Abend noch mal zu ihm herein. So tat er, als ob er schliefe. Und doch quälte ihn eine große Sorge. ‚Morgen ist Weihnachten‘, dachte er, ‚und bisher habe ich noch kein Geschenk für Mutti.‘ Sein Sparschwein litt an Magersucht, so lange hatte es schon keinen blanken Taler mehr gesehen. Schon lange konnte die Mutter ihrem Jungen kein Taschengeld mehr geben, da sie durch ihre schwere Krankheit, nur wenig hinzuverdienen konnte. Erik ging es gut, da seine Mutti den ganzen Tag für ihn da war.  Jetzt jedoch zum Weihnachtsfest, kein Geschenk für sie zu haben, stimmte ihn traurig. So lag er wach und überlegte, ob es nicht doch eine Lösung gab.

Da plötzlich – was war das? War er doch eingeschlafen? Welch zauberhaftes, kleines Wesen saß dort auf seinem Fensterbrett? Erik riß die Augen weit auf. „Wer bist du?“, fragte er. Der Weihnachtself, der gerade Erik einen seiner Träume senden wollte, erschrak heftig. „Du schläfst ja gar nicht!“, rief er erschreckt aus. „Mich hat noch nie ein Mensch gesehen. Was mach ich jetzt nur?“ Ganz verzweifelt sah der kleine Elf jetzt aus, so daß er Erik Leid tat. „Hey du Kleiner, kann ich dir helfen?“ fragte Erik. Der Weihnachtself sah auf und überlegte. ‚Was hatte man ihm vor seinem ersten Flug ins Menschenreich gesagt? Was sollte er tun, wenn er einmal in solche Situation käme? ’ Auf einmal fiel es ihm wieder ein. „Kann ich dir einen Wunsch erfüllen, ohne dich selber zu beschenken?“, fragte er den Jungen nun. „Es darf nicht für dich sein!“ „Ja, ja!“, jubelte Erik, „das kannst du! Ich brauche dringend ein Weihnachtsgeschenk für Mutti, morgen ist Heiligabend!“ „Was wünscht sie sich denn?“, wollte nun der Weihnachtself wissen „Oh, da gibt es vieles“, meinte Erik nachdenklich. „Gut, ich will dir helfen. Du schläfst jetzt ganz schnell ein und vergißt, daß du mich gesehen hast. Wenn du morgen früh wach wirst, laß dich überraschen!“

Nun konnte Erik zufrieden einschlafen. Der Weihnachtself sandte ihm noch einen süßen Traum und verschwand. Als Erik am Weihnachtsmorgen aufwachte, lag ein Päckchen auf seinem Bett. Schnell versteckte er es, ehe Mutti ins Zimmer kam. Am Abend legte er es der Mutti unter den Tannenbaum. Sie freute sich sehr über die Überraschung, wunderte sich jedoch, wie ihr Junge dies möglich gemacht hatte.  Als er den fragenden Blick seiner Mutter sah, lächelte der Junge und meinte: „Das ist vom Weihnachtself.“ Was die Mutter natürlich nicht glauben konnte. So blieb es Eriks Geheimnis, daß er den Weihnachtself gesehen hatte.

(c) Ch. Telker

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