Schneeflöckchens Reise

 

Ein kleines Schneeflöckchen rekelte sich in ihrem Wolkenbett und freute sich über das sanfte Brausen des Windes. Der Wind ist unser Freund, hatte die Mutter ihm vom ersten Tage an beigebracht. Er trägt euch, wohin ihr wollt, sagte sie. Lange lag das Schneeflöckchen in seinem Bett und träumte vom Wind und davon wie er sie einmal zur Erde hinab tragen würde. „Was es da wohl alles zu erleben gibt?“, überlegte die Schneeflocke noch, als das Brausen sich urplötzlich zu einem mächtigen Tosen steigerte und die Schneeflocken in ihrem Wolkenbett unsanft durcheinander schüttelte. „Sollte nun die Reise losgehen?“, überlegte Flöckchen als sie schon unsanft gepackt und durch die Luft gewirbelt wurde. „Das habe ich mir aber etwas anders vorgestellt!“, empörte sich unser Flöckchen. „Ich habe heute keine gute Laune, der Mond schien so hell, daß ich nicht schlafen konnte, da blase ich dann schon mal ein bißchen kräftiger, um meine Wut rauszulassen“, rief der Wind, der die Beschwerde gehört hatte. Inzwischen hatten sich aber auch die anderen Schneeflocken erhoben und beteiligten sich am Tanz. „Juchhei, ist das lustig!“, hörte man die kleine Schneeflocke zwischen ihren Geschwistern jubeln. Der Wind war nun erst so richtig in seinem Element und fauchte, so gut er konnte.

Auf der Erde freuten sich die Kinder und riefen „Es schneit, kommt raus zum Rodeln, es schneit!“ Unsere kleine Schneeflocke setzte sich zuerst auf einen Zaunpfahl nieder. „Erst einmal die Sache beobachten“, dachte sie bei sich. Sie sah, wie ihre Geschwister zur Erde tanzten. Einige setzten sich auf den Weg, über diese fuhren Autos und Schlitten hinweg, oder sie wurden von Füßen festgetreten. „Wie undankbar“, dachte Flöckchen, „erst freuen sich die Menschen, wenn wir zur Erde tanzen. Dann zerstören sie uns.“ „Das siehst du falsch“, wurde Flöckchen von einer anderen Schneeflocke aufgeklärt. „Die Kinder freuen sich, weil sie auf uns rodeln können. Dadurch, daß sie uns mit ihren Schlitten festfahren, wird die Rodelbahn erst richtig glatt. Um so schneller sausen die Schlitten.“

Flöckchen sah sich weiter um. Dort, das kleine Vöglein, fror im Schnee. „Er freut sich bestimmt nicht“, überlegte Flöckchen. „Sieh nur den hübschen Zaun. Sieht er nicht toll aus mit seiner Schneehaube“, freute sich die kleine Gerda, die gerade mit ihrer Mutti aus dem Kindergarten kam.

 „Oh, über mich freut man sich auch!“ Flöckchen machte sich gleich noch mal so groß. „Ohne uns wärst du gar nichts. Gib bloß nicht so an“, beschwerten sich plötzlich die vielen anderen Schneeflocken die gleich unserem Flöckchen auf dem Zaun saßen. „Dich alleine würde Gerda gar nicht sehen.“

 „Was wird denn das?“ Mehrere Kinder hatten sich zusammengefunden, um einen Schneemann zu bauen. Zu großen Kugeln rollten sie den Schnee. Flöckchen kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. „Der sieht ja fast aus wie ein Mensch, nur das ihm die Beine fehlen“, staunte es. Jetzt bekamen die Schneekugeln auch noch Augen, eine Nase und einen Mund. Stolz stand der Schneemann da in seiner Pracht. „Wie viele tausend Schneeflocken wohl dazu gebraucht werden“, überlegte Flöckchen. Jeden Tag kamen die Kinder auf den Rodelberg und erfreuten sich am Schnee. „Oh wie ist es schön auf der Erde!“ Flöckchen kam sich vor wie im Paradies. Eines Morgens wurde ihr jedoch ganz seltsam zumute. „Was war das?“ „Hast du es vergessen? Das ist die Sonne. Vor ihr hat uns die Mutter immer gewarnt. Wenn sie kommt, ist unsere Zeit vorbei“, antworteten die Geschwister.

Wärmer und wärmer schien die Sonne und taute den letzten Schnee fort. Als letztes verabschiedete sich der Schneemann. „Bis zum nächsten Jahr“, winkte er den Kindern noch im Dahinschwinden zu. Für die Kinder gab es jetzt wieder eine Freude. Sie sehnten den Frühling und das Osterfest herbei. „Im nächsten Jahr bauen wir einen noch größeren Schneemann“, nahmen sie sich vor.

(c) Christina Telker

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