Klein Wichtels Weihnachtsfest

 

„Es werden immer mehr Geschenke! Die vielen Wünsche der Menschen sind kaum noch zu erfüllen! Wie soll ich das nur alles auf den Schlitten bekommen?“, stöhnte der Weihnachtsmann und betrachtete den schwer beladenen Schlitten. „In diesem Jahr werden es die Rentiere besonders schwer haben, sich mit uns in die Lüfte zu erheben.“ Er ging noch einmal um den Schlitten herum und prüfte. ob auch alle Päckchen und Pakete gut und fest verschnürt waren. Dann stieg er selbst auf, legte sich eine warme Decke um und gab den Rentieren zu verstehen, daß die Reise zu den Menschen losgehen könne.

Vom hohen Norden kommend, ging der Flug über viele Länder, selbst dem Christkind begegneten sie, das nach Schweden zu Lucia unterwegs war. Jetzt waren sie direkt über Wichtelhausen. Nur noch ein kurzes Stück und sie hatten die Erde erreicht und konnten zur Landung ansetzen.

Plötzlich gab es einen Ruck, eins der Päckchen war an einem Sternenzacken hängengeblieben. Der Schlitten kam ins Schwanken und im Nu purzelten alle Geschenke dem Wichtelland zu. Der Weihnachtsmann konnte sich gerade noch festhalten, um nicht selbst vom Schlitten geworfen zu werden. Die Rentiere überschlugen sich fast, da ihre schwere Last plötzlich verloren ging. „Sofort landen!“, rief der Weihnachtsmann ihnen zu. So kam es, daß die Rentiere bei den Wichteln landeten, anstatt bei den Menschen.

„Es regnet Geschenke!“, riefen die Wichtel und kamen aus ihren Häusern gelaufen. In dem Moment hielt jedoch auch schon der Schlitten des Weihnachtsmannes kurz vor ihnen an. Erschreckt blieben die Wichtel stehen. „Ich brauche eure Hilfe“, rief dieser auch schon und sprang vom Schlitten. Nun erzählte er von seinem Auftrag und davon, daß die Geschenke keineswegs für die Wichtel seien. „Wir müssen uns beeilen, damit ich zur rechten Zeit bei den Menschen bin“, schloß er seine Erklärungen ab. So schnell sie konnten packten die Wichtel mit an. Einige Pakete waren durch den Aufprall entzweigegangen. Es hieß neu verpacken, doch ehe der Morgen graute war der Schlitten neu beladen und alles gut verschnürt. Müde, aber froh lächelte der Weihnachtsmann und ließ die Rentiere zu einem zweiten Flug ansetzen. In der Eile konnte der Weihnachtsmann jedoch nicht jedes Paket einzeln prüfen und so geschah es, daß ein kleiner Wichtel sich zwischen den Paketen versteckt hatte. Schon lange wünschte er sich einmal zu den Menschen zu kommen.

Gerade kam Tom mit seinen Eltern aus der Kirche. „Ob der Weihnachtsmann schon da war?“ Aufgeregt zog er an Mutters Hand, er konnte nicht schnell genug nach Hause kommen. „Einmal möchte ich den Weihnachtsmann mit seinem Schlitten sehen“, überlegte er laut. „Ja Tom, der Weihnachtsmann läßt sich nur ganz selten sehen. Aber vielleicht klappt es einmal“, tröstete der Vater.

Nun stand Tom vor seinen Geschenken und dem leuchtenden Weihnachtsbaum. Gemeinsam sang die Familie ein Weihnachtslied und dann, dann kam der große Moment und Tom packte ein Päckchen nach dem anderen aus. Sein Jubel nahm kein Ende. Dort das schöne große Puzzle hatte er sich schon lange gewünscht. Und was stand dort? Ein Fahrrad! Am liebsten hätte Tom gleich eine Runde gedreht, doch verschob er das auf den nächsten Tag. So hätte er fast ein Päckchen vergessen, das noch unter dem Tannenbaum lag. Eben hatte er es entdeckt und stürzte drauf los. „Ein ferngesteuertes Auto, danke lieber Weihnachtsmann!“, rief er voll Begeisterung. In seiner Aufregung übersah er, daß im Auto jemand saß. Ganz still verhielt sich der kleine Wichtel. Erst als sich die Menschen zur Ruhe begeben hatten, öffnete er die Autotür und kam heraus. Vorsichtig sah er sich in seiner neuen Umgebung um. Wipp, so hieß der Kleine, kostete von den Plätzchen auf dem bunten Teller, nippte am Weinglas, das Vergessen auf dem Tisch stand und dachte, „wie schön ist doch die Menschenwelt.“ Gerade wollte er zu dem Auto, in dem er gekommen war, um sich auf den Sitzen schlafen zu legen, als er wie von Geisterhand eine Ohrfeige bekam. Wie betäubt schüttelte er sich, da klatschte es schon von der anderen Seite an seinen Kopf. Wipp, fiel um und blieb liegen. Mauzi beschnüffelte ihren Fang. „Was ist das? Eine Maus ist es wohl nicht? Ob man es fressen kann?“ Mauzi legte den Kopf mal nach rechts und mal nach links, schnüffelte noch eine Weile und entschied sich dann dieses seltsame Wesen doch nicht zu fressen.

Als sich Wipp erholt hatte, fand er die Menschenwelt gar nicht mehr so schön. „Ist doch recht gefährlich“, war jetzt sein Eindruck. „Wie komme ich nur wieder ins Wichtelland?“, überlegte er und fand keinen Ausweg.

Tom konnte vor Aufregung nicht schlafen in dieser Nacht. Er kletterte aus seinem Bett und schlich sich aus dem Zimmer um noch einmal nach seinen neuen Spielsachen zu sehen.  Im Mondlicht sah er Wipp stehen, als er das Zimmer betrat. „Träume ich?“, fragte sich Tom. Doch dann hatte er den kleinen Wichtel auch schon in der Hand. „Bitte, bitte laß mich los“, bat dieser. „Ich tu dir doch nichts“, tröstete Tom. „Sag mir erst mal, wer du bist!“ Nun erzählte Wipp dem kleinen Tom seine Geschichte.

„Du brauchst nicht traurig sein. Ich werde für dich sorgen und im nächsten Jahr, wenn der Weihnachtsmann kommt, nimmt er dich mit zurück ins Wichtelland“, schlug Tom vor. „Nun gehen wir aber erst einmal schlafen.“ Wipp, kuschelte sich zu Tom ins Bett und träumte von seinen Erlebnissen.

Viel zu schnell verging den beiden das Jahr und es hieß Abschied nehmen. Wipp bedankte sich bei seinem Retter für die Gastfreundschaft und erzählte in Wichtelhausen, wie nett die Menschen sind. (c) Christina Telker

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