Welch Malheur

 

Im Wichtelland herrscht große Aufregung. Nur noch wenige Tage trennen sie vom Weihnachtsfest, da gibt es mächtig viel zu tun. Die letzten Plätzchen müssen gebacken werden, Geschenke eingepackt und einige Puppen, Teddys oder Autos in der Werkstatt repariert werden. Da bleibt kaum eine freie Minute. Die Wichtel freuen sich jedes Jahr auf die Weihnachtszeit. Wenn es auch viel Arbeit ist, so ist es doch noch viel mehr Freude, wenn Christkind und Weihnachtsmann erscheinen und die Wichtel können alles Bestellte pünktlich übergeben.

„Ich höre schon die Schlittenglocken!“, kam Trinchen, ein kleines Wichtelmädchen angerannt. Alle Wichtel sahen von der Arbeit auf. ‚Ist es wirklich schon soweit?‘, gingen die Gedanken der Wichtel. Die ersten, die bereits ihre Arbeit beendet hatten, begannen die Pakete und Päckchen zur großen Tanne zu tragen. Dort würde, wie in jedem Jahr, der Schlitten des Weihnachtsmannes halten. Wie die Wiesel eilten sie hin und her um schnell den Schlitten beladen zu können, denn die Zeit drängte. Der Weihnachtsmann gönnte sich keine Ruhepause. Als die Wichtel den Schlitten beluden, strich er alle Geschenke in seinem großen Buch durch, die auf dem Schlitten lagen. Als kein Paket mehr übrig war, schüttelte der Alte bedenklich den Kopf. Die Wichtel wunderten sich, hatten sie doch Dank und Lob erwartet. Noch einmal blätterte der Weihnachtsmann in seinem Buch, dann meinte er: „Ein Geschenk fehlt! Die kleine Gerda hatte mir ihre Lieblingspuppe anvertraut, sie sollte neue Augen bekommen und neu eingekleidet werden. Wo ist die Puppe?“ „Ich habe ihr wunderschöne braune Augen eingesetzt, ein rotes Samtkleid und einen Pelzmantel angezogen. Sogar eine Mütze und Stiefel zog ich ihr an“, rief Wesel, ein älterer Wichtel. „Aber wo ist die Puppe?“, wiederholte der Weihnachtsmann seine Frage. Was blieb anderes übrig, als den Schlitten noch einmal abzuladen und erneut alle Geschenke wieder aufzuladen. Wertvolle Zeit ging dabei verloren. Am Ende stellten die Wichtel traurig fest: „Die Puppe ist weg! Alle Winkel der Werkstatt wurden aufs Genaueste durchsucht. Werkzeugkisten aus und eingepackt. Alles umsonst. „Ich muß jetzt fahren“, sprach enttäuscht der Weihnachtsmann. „Ich sehe schon die Tränen der kleinen Gerda, wenn ich ohne ihre Puppe komme.“ Mit gesenkten Köpfen traten die Wichtel in ihre Werkstatt, um Ordnung zu schaffen. So ein trauriges Weihnachtsfest hatten sie noch nie erlebt. Bisher hatte alles reibungslos geklappt.

Wurzel sah in die Sterne. Nach solch einem Tag brauchte er einfach noch einen Abendspaziergang. Plötzlich fiel sein Blick, etwas abseits vom Wege, auf einen kleinen Stiefel. Wurzel hob ihn auf und erkannte gleich, daß dieser Stiefel von dem gesuchten Puppenkind stammte. Nun war alles klar.  Nur wenige Meter entfernt hatte die alte Füchsin ihren Bau. Schnell lief Wurzel zurück zu seinen Freunden, um ihnen die freudige Botschaft mitzuteilen. Gemeinsam machte man sich auf zum Fuchsbau. Nun lärmten die Wichtel so lange vor dem Fuchsbau, bis die Füchsin sich sehen ließ. „Was macht ihr für Radau zu nachtschlafender Stunde, meine Jungen werden wach“, knurrte sie. „Du hast uns eine Puppe gestohlen! Gib sie sofort wieder heraus, sonst lärmen wir die ganze Nacht!“, riefen die Wichtel. „Ihr habt so viel Spielzeug. Diese Puppe wollte ich für meine Jungen haben“, brummte die Füchsin. „Auch diese eine Puppe brauchen wir, und zwar für Gerda“, erklärte Wurzel, „gib sie sofort heraus!“ Brummend begab sich die Füchsin in den Bau, um wenig später mit der Puppe im Maul wieder zu erscheinen. Sie legte die Puppe vor Wurzel hin und verschwand wieder. „Etwas ramponiert sieht sie ja aus“, meinte dieser, „aber wir bekommen das schon wieder hin.“

Nun eilten die Wichtel in die Werkstatt, um die Puppe zu baden und neu einzukleiden. Schon bald sah sie wieder wunderschön aus. Ein Wichtel besuchte in der Zwischenzeit Frau Eule, um ihre Hilfe zu erbitten. Gerne war sie bereit dem Weihnachtsmann zu folgen, um ihm die Puppe zu bringen. „Nun kann Weihnachten kommen!“, freuten sich die Wichtel. „Kein Kind wird am Heiligenabend Tränen in den Augen haben, weil das Geschenk verloren ging.“ Müde und zufrieden begaben sich die kleinen Waldgeister zur Ruhe. Der Wind blies sein Abendlied und Vater Mond lachte vor Freude. Leise fiel der Schnee und deckte alle Spuren zu. Frau Eule erreichte den Schlitten des Weihnachtsmannes gerade noch, bevor dieser in der Stadt einfuhr, in der Gerda wohnte.

(c) Christina Telker

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