Zur Weihnachtszeit

 

Dicht verschneit lag die Winterwelt, wie im Traum. Die Zweige der Bäume trugen eine schwere Last. Tief drückte sie der Schnee herab, so, daß manches Zweiglein brach.

Tief im Winterwald hinter der letzten Schonung befand sich das Reich des Weihnachtsmannes. Fleißig halfen das ganze Jahr über die Wichtel, damit die Kinder zur rechten Zeit ihre Gaben unter dem Tannenbaum vorfinden würden.

Hier bekam ein Schaukelpferd einen neuen Schwanz, dort erhielt Puppe Lise herrlich blonde Zöpfe, ein anderer Wichtel war damit beschäftigt die Bausteine für Paulchen bunt zu bemalen.

Ein Blick auf den Kalender verriet, es war bereits der 6. Dezember.

Mitten in der Weihnachtswerkstatt stand der Weihnachtsmann mit einem großen Postsack, aus ihm zog er die Wunschzettel der Kinder und las einen nach dem anderen vor. Die Wichtel hatten einen großen Kreis um den Alten gebildet und waren nun damit beschäftigt, flink wie die Wiesel die vorgelesenen Gaben zu holen. Auf einem großen Tisch lagen viele Rollen Geschenkpapier. Fleißige Hände verschnürten eins, zwei drei all die schönen Dinge und versahen sie mit Namen, damit ja keines der Geschenke verwechselt wurde.

Schwer beladen stand nun der Schlitten für seine weite Fahrt ins Menschenreich bereit.

Jeden Abend brachte der Weihnachtsmann höchstpersönlich seinem Schimmel eine extra Portion Hafer, damit er für die Fahrt zu den Kindern auch gut gestärkt sei.

Nachdem Knecht Ruprecht, in der Nacht, die Stiefel der Kinder gefüllt hatte, brachte er die letzten Wunschzettel von der Erde mit. In der Weihnachtsmannwerkstatt war man seit vielen Jahren darauf vorbereitet. Jedes Jahr mitten im Dezember erwartete man den guten Alten als Gast. Auch sein Esel kannte seinen festen Platz, neben dem Schimmel des Weihnachtsmannes, im Stall. Die beiden Vierbeiner hatten sich viel zu erzählen.

Am Kamin tauschten indessen Ruprecht und Weihnachtsmann Erfahrungen und Erlebnisse aus und ließen sich den duftenden Stollen und den dampfenden Tee schmecken.

In der Weihnachtsmannwerkstatt ging es weiterhin lustig zu. Bei dem Tempo, in dem gewerkelt wurde, hatte man manches Mal Bange, dass vielleicht doch einmal eins der Geschenke verwechselt würde.

 Als nun auch die letzten Gaben gut verpackt auf dem Schlitten lagen, holte der Weihnachtsmann seinen Schimmel aus dem Stall und spannte ihn vor seinen Schlitten. „Nun zeig mal, dass du den Weg zur Erde noch immer kennst. Komm spurte dich, damit wir alle Kinder zur rechten Zeit erreichen“, spornte der Alte seinen Schimmel an und schmunzelte ein wenig. Fröhliches wiehern war die Antwort. Denn nichts fand der Vierbeiner so schön, wie jährlich zu den Kindern zu reisen. Hier und da hatten sie ein Bund Stroh oder eine Möhre für ihn hingelegt. So wusste der gute Schimmel, dass die Kinder nicht nur auf ihre Gaben warteten, sondern auch ihn nicht vergessen hatten. Schnell wie der Wind, sauste der Schlitten über die schneebedeckten Felder und durch die Wälder. bis er im Mondschein das Licht des ersten Hauses leuchten sah. Leise glitt nun der Schlitten durch die Straßen und Gassen. In manche Fenster sahen sie hinein und freuten sich an den rosigen Wangen der kleinen Träumer.

Als die Wintersonne am Himmel aufging, war kein einziges Päckchen mehr auf dem Schlitten. Glücklich und zufrieden kehrten das Gespann ins Weihnachtsland zurück. Hier ruhten sich alle fleißigen Helfer aus, bis im nächsten Herbst die Weihnachtsmannwerkstatt erneut öffnete.

(c) Christina Telker

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