Sternchen

 

Wie jeden Abend strahlte Sternchen vom Himmel herab. Die Luft war klar und so konnte es die Erde sehr gut beobachten. Gerne besuchte Sternchen in solchen Nächten die Kinder. Schaute zum Fenster hinein und sah, wer eingeschlafen war oder welches Kind noch wach lag. Fred schlief meist erst sehr spät ein, deshalb kannte er Sternchen auch schon und wartete an diesem Abend schon auf ihn. Heute war jedoch ein besonderer Abend, es war Weihnachten. In dieser Nacht werden Märchen war und Wünsche gehen in Erfüllung. Der kleine Stern schaute in die Fenster und bestaunte die geschmückten Christbäume. Nun schaute er auch bei Fred herein. „Sternchen, hallo, da bist du ja endlich!“ freute sich Fred, als Sternchen endlich auch bei ihm angekommen war. „Guten Abend Fred!“, strahlte der kleine Stern ihn an. „Sternchen, heute ist die Heilige Nacht, bitte nimm mich ein einziges Mal mit zu dir in den Himmel!“, bat Fred seinen himmlischen Freund. „Da verlangst du wohl ein bisschen viel, ich bin mit meiner Reise noch gar nicht am Ende. Heute ist es besonders interessant in die Häuser zu blicken.“ „Für mich ist es aber auch die einzige Nacht, in der es möglich wird, meinen Wunsch zu erfüllen“, bettelte der Junge. „Lass mich noch ein wenig über die Häuser ziehen, dann komme ich zurück zu dir!“ Sternchen setzte seinen Weg fort, sah den Weihnachtsmann, der sein letztes Geschenk aus dem Sack holte. Für ihn war jetzt endlich Feierabend. Alle Kinder und Erwachsenen hatten ihre Geschenke erhalten. Noch zu einem Jungen wollte er, dann konnte er sich bis zum nächsten Jahr zurückziehen und seinen wohl verdienten Schlaf genießen. Wie sehr hatte er sich in den letzten Wochen abgemüht, um jeden zufriedenzustellen.

Sternchen sah die schönsten Tannenbäume fein geschmückt im Kerzenschein. „Es ist so schön auf der Erde, ich weiß gar nicht was Fred bei uns im Himmel will“, dachte er bei sich. Trotz allem, was ein Stern verspricht, daß hält er auch. So machte er sich auf den Weg zu seinem kleinen Freund. „Setz dich auf meinen Strahl und los geht die Fahrt! Um Mitternacht müssen wir wieder auf der Erde sein!“ Das ließ sich Fred nicht zweimal sagen. Vorsichtig zog er das Fenster hinter sich zu, damit die Eltern seine Abwesenheit nicht merkten. In Sekundenschnelle ging es hinauf zur Milchstraße. Die Sterne glitzerten in dieser Nacht so schön, dass es kaum zu beschreiben war. Fred konnte sich nicht satt sehen an dem Geflimmer.

„Komm, wir müssen uns beeilen“, drängte Sternchen seinen Freund ständig, doch diesem standen Mund und Augen offen vor Staunen, so wäre er keinen Schritt vorwärtsgekommen. „Wer bist du denn?“, der kleinste Stern des großen Wagens kam auf Fred zu. „Ich bin Fred. Sternchen hat mich heute in der Weihnachtsnacht mit zu euch in den Himmel genommen, weil ich ihn so sehr darum bat.“ „Dann sei herzlich willkommen. Hoffentlich gefällt es dir bei uns!“ „Es ist wundervoll, ich kann mich nicht satt sehen“, antwortete Fred.

Weiter ging der Flug am Himmel entlang zum großen Bären. „Dem Mond wollen wir lieber aus dem Weg gehen, er sieht es auch in dieser Nacht nicht gerne, wenn wir fremde Wesen mit zum Himmel bringen“, gab Sternchen zu bedenken.

Plötzlich schob sich eine dicke Wolke vor die Beiden. „Das hat mir noch gefehlt, wir müssen zur Erde zurück, unsere Zeit ist fast abgelaufen. Solange die Wolke jedoch vor mir ist und mir die Sicht nimmt, kann ich dich nicht zur Erde bringen.“ „Soll das heißen, ich komme nicht mehr nach Hause?“, jetzt bekam es Fred das erste Mal mit der Angst zu tun.  „Es ist noch nicht aller Tage Abend“, tröstete Sternchen. „Vielleicht verzieht sich die Wolke, bevor unsere Zeit abgelaufen ist.“ Die Wolke tat den Beiden jedoch nicht den Gefallen. 

„Was machen wir jetzt?“, fragte voller Angst Fred seinen kleinen Freund. „Jetzt haben wir keine Wahl, wir müssen den Mond um Hilfe bitten.“ Sternchen zog die Stirne kraus. Beide machten sich nun auf den Weg zum Mond.

„Guten Abend Vater Mond“, grüßte der kleine Stern. „Guten Abend Sternchen, na was hast du wieder angestellt?“, fragte Vater Mond, der nichts Gutes ahnte. „Heute ist die Heilige Nacht, da haben die Menschen einen Wunsch frei. Fred wünschte sich so sehr einmal zum Himmel mitgenommen zu werden. Nun kam uns eine Wolke in den Weg und ich konnte ihn nicht wieder zur Erde bringen. Du musst uns helfen. Bitte!“ „Ach so ist das, du konntest wieder einmal nicht hören und hast ein Menschenkind mitgebracht und sitzt nun in der Klemme. Gut ich werde euch helfen.“ „Komm Fred, setzt dich auf meinen Mondstrahl.“ Als der Junge Platz genommen hatte, wanderte Vater Mond ein Stück am Himmel weiter und ging so der Wolke aus dem Wege. Kurz nach Mitternacht lag Fred mit süßen Träumen in seinem warmen Bettchen. Sternchen schaute noch einmal bei ihm zum Fenster hinein und sagte: „Gute Nacht.“ 

(c) Christina Telker

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