Friedensbotschaft

 

Kalt war die Nacht. Stürmisch jagte der Wind die Wolken über die bereits abgeernteten Felder. Die Schafe drängten sich im Schutze der Dunkelheit aneinander, um sich gegenseitig zu wärmen. „He da, sieh einer diesen Jungspund an!“, rief Gerson höhnisch den anderen Hirten zu. „Er verkriecht sich bei den Schafen, um nicht zu frieren.“ „Laß ihn doch“, mischte sich Berl ein. „Als wir damals begannen die Schafe zu hüten und noch kein eigenes Fell besaßen, machten wir es genauso.“ „Er kann wieder einmal keinen Spaß verstehen!“, lachte Gerson dröhnend. „Los, Benjamin, lauf dreimal ums Gatter und dir wird warm werden! Sonst schläfst du noch ein. Wir sind zum wachen hier! Bei dieser Kälte kommt schnell mal ein Wolf und dringt in die Herde ein!“ Mißmutig wollte sich der Junge erheben, als sich plötzlich der Himmel massiv erhellte. Alle sahen wie gebannt nach oben. Was war das? Wo kam in dieser finsteren Nacht dieses grelle Licht her? „Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“, ertönte aus dem Lichte eine Stimme. Mit offenem Munde blieben die Schäfer in Schockhaltung stehen. „Euch ist ein Kind geboren!“, setzte die Stimme aus dem Licht ihre Rede fort. „Geht nach Betlehem und seht, was dort geschehen ist!“ Gerson kam zuerst zu sich. „Ich werde gehen und nachsehen was dort geschehen ist. Ihr kommt auch mal alleine klar!“, endschied er. Da die anderen gewöhnt waren, seine Befehle auszuführen, wollten sie auch diesmal seiner Order folgeleisten.  Doch in demselben Moment sprach die himmlische Stimme nochmals, wenn auch leiser zu den Hirten. „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr die Wunder Gottes nicht erfahren.“  „Das fehlte mir noch, daß ich einem Kinde den Vorrang geben!“, tönte Gerson brummend.  „Dies ist eine besondere Nacht! Spürst du es nicht?“, fragte Berl den anderen. „Nimm Benjamin mit und laß ihn vorangehen.“ Vor sich hin knurrend scheuchte Gerson jetzt den Jungen hoch und befahl ihm den Weg zum Ort voranzugehen.

Wortlos gingen die beiden durch die Finsternis ihrem Ziele zu. Als sie Bethlehem aus der Ferne erkannten, sahen sie hoch am Himmel einen ganz besonders hellen Stern erstrahlen. „Dort müssen wir hin!“, flüsterte Benjamin und duckte sich, aus Furcht gleich etwas hinter die Ohren zu bekommen, wo er doch ungefragt gesprochen hatte. Doch, oh Wunder Gerson sagte nichts und folgte dem Jungen. Immer näher kamen sie dem Stern. Abseits des Ortes sahen sie einen alten Viehstall, über dem dieser Stern hell leuchtete. „Na, kleiner, das war wohl nichts?“, begann Gerson wieder zu murren. Doch Benjamin ging tapfer auf diesen Stall zu. „Ach, wenn er dort nur eine Mütze Schlaf bekommen könnte, im Heu, dann wollte er schon zufrieden sein“, dachte er bei sich.

Als er behutsam die Stalltür einen Spalt öffnete, drang ihm angenehme Wärme entgegen, die Ochs und Esel ausströmten. Aber was war das? In der Futterkrippe lag ein Säugling. Mutter und Vater betrachteten voller Liebe dieses Kind. Die Mutter summte leise ein Wiegenlied. Wie verwandelt ging Gerson auf die Eltern und dieses kleine Wesen zu. Kniete sich nieder und betete das Kind an. Irgend etwas in ihm hatte ihm klargemacht, hier ist ein Wunder geschehen. Dieses Kind, dort in der Krippe, ist nicht irgendein Kind, nein, es ist Gottes Sohn! Dieser helle Schein, dort auf dem Felde, waren Gottes Engel, die ihnen, den Hirten die Botschaft brachten. Das kleine Schaf, das er auf den Schultern bei sich trug, um besser gewärmt zu sein, schenkte er jetzt dem Kind, als Zeichen seiner Verehrung.  Benjamin hatte keine Gaben, die er dem Kinde schenken konnte. Er stellte sich still neben die Krippe und streifte einmal mit seiner Hand, die Füßchen des Säuglings. Da lächelte das Jesuskind im Schlaf, als ob es sich bedanken wollte.

Still verließen beide den Stall und erzählten allen, die sie trafen, von dem Wunder der Christnacht, das sie soeben im Stall erlebt hatten und von den Engeln, der ihnen die Botschaft gebracht hatten.

© Christina Telker

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