Winter im Zwergenreich

 

Wenn man im dicht verschneiten Winterwald bis zur Schonung vordringt, sieht man beim Einbruch der Dunkelheit von Ferne ein kleines Licht schimmern. Die meisten Menschen halten sich im Winter des Abends in ihren warmen Stuben auf. Entdeckt aber wirklich einmal ein Mensch dieses Licht, hält er es für erleuchtete Fenster des nächsten Dorfes.

So ging es auch Ede, er war mit seinen Freunden zum Rodeln in den Wald gegangen. Als der Tag sich neigte, zogen seine Freunde nach und nach, mit ihren Schlitten heimwärts. Ede aber hatte keine Lust schon nach Hause zu gehen. Ihn lockte die längere Piste am Rande der Schonung. So zog er los, um noch eine ‚richtige‘ Bahn, wie er es nannte, herunter zu sausen.

Plötzlich stand er im dunklen, da im Winter der Tag schnell in die Nacht übergeht. Hell leuchtete nur der Schnee. Hui, sauste der Junge die Bahn hinunter und noch einmal, da ging die Post ab, da kam Freude auf. Bis er auf einmal ein flaues Gefühl in der Magengegend spürte. ‚Jetzt wird es Zeit zum Abendessen‘, dachte er. Ede sah sich um und stellte fest, daß weit und breit Dunkelheit herrschte. Nur ein Licht leuchtete in der Ferne. ‚Hier muß es richtig sein‘, dachte der Junge und begab sich zielstrebig in Richtung des Lichtes. Langsam wurden ihm die Beine schwer. ‚Ich muß doch bald das Dorf erreicht haben‘, grübelte er. Aber soweit er auch lief, er schien dem Licht nicht näher zu kommen. Ede versagten die Füße. Nur eine kleine Pause wollte er sich gönnen und setzte sich auf seinen Schlitten. Jedoch die Müdigkeit war stärker. Kaum hatte der Junge sich gesetzt, fiel er in einen tiefen Schlaf. So wäre er fast erfroren, wenn, ja wenn, nicht Dix, ein kleiner Zwerg ihn gefunden hätte. Dix unternahm gerade einen Abendspaziergang mit seinem Wiesel, als er Ede in der Nähe des Zwergenreiches auf seinem Schlitten sitzen sah. Erst getraute sich der kleine Zwerg nicht in die Nähe des Jungen, doch dann erkannte er, daß Ede schlief. Vorsichtig versuchte er den Jungen zu wecken. Da dies mißlang, spannte der Zwerg seinen Wiesel vor den Schlitten und packte selbst mit an. So zogen sie den Jungen gemeinsam bis vors Zwergenhaus. Wie staunten die kleinen Waldgeister über Dix und seine sonderbare Fracht. Schnell halfen sie ihm den Jungen ins Haus zu bringen, um ihn aufzuwärmen. Sie legten ihn auf ein warmes Fell in Nähe des Ofens. Die ganze Nacht hielten die Zwerge Wache, bis Ede am nächsten Tag staunend die Augen aufschlug. „Wo bin ich?“, Ede sah sich um und meinte zu träumen. Da sprach ihn Dix an und erzählte ihm wie er ins Zwergenreich gekommen war. Dem Jungen gefiel es bei den Zwergen. Gerne wäre er noch länger geblieben, nur wußte er auch, daß seine Eltern sich längst um ihn sorgten. So bedankte er sich bei seinen Rettern und wollte gehen. „Das geht jetzt nicht“, erklärte Dix, „jetzt ist heller Tag. Wenn ich dich jetzt gehenlasse wirst du den Menschen den Weg in unser Reich zeigen. Denn du findest den Weg zurück. Warte bis die Nacht anbricht, dann bringe ich dich nach Hause.“ Gerne blieb Ede für einen Tag bei den freundlichen Zwergen. Als der Abend anbrach, zogen die kleinen Waldgeister den Schlitten mit dem schlafenden Ede ins Dorf. Bello, der Hofhund, machte ein großes Getöse, als die sonderbare Truppe den Hof betrat. Das weckte auch den schlafenden Jungen. Er rieb sich die Augen und stellte verwundert fest, daß er daheim war. Die Wichtel waren längst im Wald verschwunden. „Das nächste Mal kommst du aber etwas eher nach Hause“, mahnte der Vater. Jetzt erst merkte Ede, daß es wohl doch nur ein Traum war und er kurz auf seinem Schlitten eingenickt war. Oder? © Christina Telker

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