Zipfel wünscht sich einen Stern

 

Längst hatte der Herbst Einzug gehalten. Nebel lagen über den Wiesen und Wäldern. Springschnell, das Eichhörnchen hatte seinen Kobel verschlossen, um vom Sturm nicht weggetragen zu werden. Auf einem Baumstumpf nahe der Schonung saß Zipfel, ein kleiner Zwerg. Seine Freunde hatten ihm diesen Namen gegeben, weil der Zipfel seiner Mütze immer besonders keck in die Höhe stand.

Jetzt saß er hier und träumte vom Christkind. ‚Einmal möchte ich ihm begegnen’, dachte er. Denn Zipfel hatte seit langem einen Herzenswunsch. Wenn er abends mit seinen Freunden am Lagerfeuer saß und in den Himmel sah, wünschte er sich einen dieser Sterne für sich. ‚Dieser Wunsch geht nie in Erfüllung’, dachte er sich traurig.

Wieder war eine Zeit vergangen. In wenigen Tagen war Weihnachten. Zipfel stapfte durch den Schnee. ‚Was war das – war da nicht ein heller Schein? ’ Verwundert hielt der kleine Zwerg auf seinem Weg inne. ‚Tatsächlich’, staunte er, ‚der Lichtschein kommt näher. ’ Schnell versteckte er sich im Dickicht und beobachtete, was geschehen würde. Nun konnte er es erkennen, er glaubte es kaum, konnte es nicht fassen. ‚Da kommt das Christkind’, voller Jubel schlug sein Herz bis zum Hals, als er es erkannte. Vorsichtig trat er aus seinem Versteck. Immer näher kam der Schlitten mit seinen Schimmeln. Der kleine Zwerg nahm all seinen Mut zusammen und stellte sich dem Schlitten in den Weg. Das Christkind sah verwundert drein, als die Pferde plötzlich stehenblieben. Es stieg aus, um nach zu sehen, was geschehen sei. „Wer bist du denn?“, richtete es seine Frage an den kleinen Wicht, der dem Schlitten den Weg versperrte. „Liebes Christkind“, begann Zipfel seine Rede und stellte sich vor, „auch ein kleiner Zwerg, wie ich, hat einen Weihnachtswunsch.“ „Noch nie ist mir so ein kleiner Geselle begegnet. Darum möchte ich gerne deinen Wunsch erfüllen, wenn ich kann. Was wünschst du dir denn?“ erkundigte sich das Christkind. „Ich wünsche mir einen Stern vom Himmelszelt.“ „Das ist ein Wunsch kleiner Zipfel, den ich dir leider nicht erfüllen kann. Die Sterne stehen seit Millionen von Jahren am Himmel und da sollen sie auch bleiben. Für dich hätte ich aber einen Vorschlag, der deinem Wunsch sehr nahekommt. Wenn ich den Kindern ihre Gaben ausgeteilt habe, komme ich wieder hier vorbei. Dann nehme ich dich mit zu den Sternen.“ Sprachlos schaute Zipfel auf das Christkind. ’Er, der kleine Zipfel sollte bis zu den Sternen fliegen, das war ja unfassbar, gingen seine Gedanken. „Danke, danke! Das ist wunderbar!“ rief er jetzt aus. „Gut, mein Kleiner, dann treffen wir uns morgen zur gleichen Zeit hier auf der Waldlichtung. Nun muss ich mich aber beeilen, um die versäumte Zeit nach zu holen.“ Das Christkind stieg in den Schlitten und trieb die Schimmel zum Galopp an.

‚Das darf keiner meiner Freunde erfahren’, nahm sich Zipfel vor, ‚sonst wollen alle mit. ’ Vor Aufregung konnte er den nächsten Tag kaum erwarten. Als es dunkelte, schlich er sich heimlich zu der Stelle an der er am Tage zuvor das Christkind getroffen hatte. Schon hörte er aus der Ferne die Glocken des Schlittens, der immer näherkam. Direkt vor Zipfel kam er zum Stehen. „Hallo Zipfel,“ redete ihn das Christkind an. Hast du es dir überlegt, möchtest du mit mir jetzt zu den Sternen reisen?“ „Oh ja und wie gerne!“, rief der kleine Zwerg aus. Das Christkind hob ihn zu sich in den Schlitten und weiter ging die Fahrt. Als sie den Waldrand erreicht hatten und auf eine große freie Wiese kamen, erhob sich der Schlitten in die Lüfte und schwebte geradewegs in den Himmel. Zipfel kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Von der Milchstrasse aus ging die Fahrt direkt zum großen Wagen. Hier hieß das Christkind den kleinen Zwerg aussteigen. „Dieser Wagen, ganz aus Sternen gehört jetzt dir für eine Nacht. In der Christnacht werden Wünsche wahr. Dieser Sternenwagen wird dich am Himmel entlangfahren, wohin du auch willst. Beginnt der Morgen zu grauen, werde ich dich zurück zur Erde bringen.“ „Das ist ja noch viel schöner als einen einzigen Stern geschenkt zu bekommen! Jetzt habe ich einen ganzen Sternenwagen“, rief Zipfel erfreut aus. Viel zu schnell verging die Nacht. Als der Schlitten des Christkindes am Weihnachtsmorgen an der Stelle im Walde landete, wo Zipfel am Heiligen Abend zugestiegen war, entstieg dem Schlitten ein zufriedener und glücklicher kleiner Zwerg. „Das war mein allerschönstes Weihnachtsfest, danke liebes Christkind!“, rief Zipfel noch dem Schlitten nach, als das Geläut der Schellen kaum noch zu hören war. (c) Ch. Telker

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