Weihnacht im Stall

 

Weiß glänzte der Schnee im Mondlicht der Heiligen Nacht. Von fern hörte man die Glocken der Stadtkirche. Stille, absolute Stille, bis auf das Läuten der Weihnachtsglocken, das dieser Nacht seinen besonderen Zauber verlieh.

Weihnachten – Friede auf Erden!

Von alters her verstehen sich in der Christnacht Tiere und Menschen untereinander. Aber auch die verschiedensten Tierarten verstehen in dieser Nacht die Sprache des anderen. So ist es nicht weiter verwunderlich, daß in der Heiligen Nacht ein alter Schafbock, im Stall eines Bauern, anfing eine Geschichte zu erzählen und alle anderen Tiere in dem Stall ihn verstanden.

„Damals war es“, begann Emil, der Schafbock, „jedes Jahr zu Weihnachten, erzählte uns unser Großvater die Geschichte seines Ururahnen und wir alle lauschten ihm.“ „Welche Geschichte“, muhte ein junges Kalb, das vor zwei Tagen das Licht der Welt erblickt hatte. „Wir wollen sie auch hören“, grunzten die Schweine. „Nun erzähl schon“, forderte das Pferd wiehernd auf. „Ja, wenn ihr mich so bittet“, meinte Emil, „dann werde ich sie euch erzählen. Damals vor zweitausend und mehr Jahren, war mein Ururahn mit seiner Herde und einigen Schäfern nachts auf den Feldern Bethlehems, die Sterne funkelten, es war eine Nacht, wie heute. Plötzlich, ganz unerwartet wurde es taghell am Himmel, der Schein war grell wie das Sonnenlicht.“ „Mitten in der Nacht“, quiekte das Schwein, das es kaum glauben konnte, daß ein Stern so hell strahlt. „Mitten in der Nacht! Glaub es mir! Die Hunde wurden unruhig und eine Stimme kam vom Himmel, die sprach: ‚Fürchtet euch nicht, euch ist heute der Heiland geboren, der Retter der Welt. Dort wo ihr den hellen Stern am Himmel seht, liegt das Jesuskind in der Krippe‘. Die Hirten erschraken sehr, aber sie hörten auf die Stimme der Engel und gingen den Stern zu suchen.“ „Und die Schafherde?“, fragte ängstlich ein kleines Lamm. „Die Schafherde war in einem Gatter, die Hunde blieben dort als Wache. Ein kleines Lamm nahmen die Hirten mit, als Geschenk für das Jesuskind.“ Gleich kam sich das kleine Lamm sehr wichtig vor. „Schon vom Feld her sahen die Hirten den hellen Stern leuchten und gingen auf dieses Licht zu. Dann fanden sie in einem Stall, Maria und Joseph und das Kind, in der Krippe, wie der Engel es ihnen gesagt hatte. Sie beteten das Kind an und schenkten ihm das Lamm. Dann kehrten sie um und gingen wieder zu ihrer Herde.“

 „Eins hast du noch vergessen“, muhte nun Kuh Emma in die Erzählung. „Ochs und Esel waren auch dabei in dem Stall. Mein Ururahn erzählte mir auch davon. Seit dem Tag sagt man auch, wenn ein Kind geboren wird, erscheint ein neuer Stern am Himmel.“ „Stimmt“, bestätigte Emil, „nur ist es jetzt immer nur ein kleiner Stern. Als Jesus geboren wurde, war es ein großer Stern, der die Hirten und später auch die Könige zum Kinde führte.“ Immer leiser erzählte Emil, da sich die Nacht ihrem Ende neigte und alle Tiere recht müde waren, auch Emil.

(c) Ch. Telker

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