Sternchen bereitet Weihnachtsfreude

 

Gerade war Vater Mond am Himmel unterwegs, um die Lampen seiner Sternenkinder anzuzünden. Mit seiner alten Laterne wanderte er von Stern zu Stern, um ihnen von seinem Licht abzugeben. So konnte er sehen, ob es seinen Sternlein gut ging und ob sie froh und munter waren.

Heute waren die Sternlein ganz aufgeregt, sie konnten es kaum erwarten mit ihrem Licht zur Erde hinunter zu leuchten, denn heute war ein besonderer Tag. Auf der Erde war Weihnachten. Alle Sternlein kannten die Geschichte von ihrem Urururgroßvater, der vor zweitausend Jahren so groß und so hell strahlte, daß er den Hirten und den Königen den Weg zum Jesuskind wies. ‚Ach ja‘, dachten all den kleinen Sternlein, ‚das war etwas! So hell leuchten zu können, daß man von allen Menschen gesehen wird.‘ Aber sie waren so klein und so viele, da fiel ein einzelner gar nicht auf. Trotzdem meinte Vater Mond jeden Abend, er kenne jeden seiner Sterne. Sicher wollte er sie nur trösten. Aber wo blieb er heute nur? Ach da hinten kam er ja, gleich würden sie alle ihr Licht auf die Erde senden können, um zu beobachten, wie dort unten Weihnachten gefeiert wurde.

Piecks, ein kleiner Stern, konnte gar nicht genug vom Treiben auf der Erde sehen. Immer wieder lehnte er sich über den Wolkenrand und plötzlich – plumps, fiel er hinunter und landete unsanft, nach langem Fall, auf der Erde. Eine große Tanne fing ihn auf. Sofort war der ganze Wald erhellt, so groß war die Leuchtkraft des Sternchens. Aber Piecks war viel zu sehr mit sich beschäftigt und merkte dies gar nicht. „Autsch, mein schönes Strahlenkleid hat einen Riß bekommen“, rief er empört.

Als sich der kleine Stern von seiner unsanften Landung erholt hatte, dachte er bei sich: ‚Wo ich nun schon einmal auf der Erde bin, werde ich mich bei den Menschen etwas genauer umsehen und mir Weihnachten aus der Nähe betrachten‘.  Er ließ sich von der Tanne gleiten und machte sich auf den Weg. Nach einer Weile sah er ein Dorf. ‚Dorthin werde ich gehen‘, nahm Piecks sich vor.

Schon bald kam er an ein großes Haus mit einem hohen Turm, es war strahlend hell erleuchtet, seine Türen standen offen.  ‚Ich werde mal ganz vorsichtig hineinschauen‘, nahm der kleine Stern sich vor.  Doch als er um die Ecke sah, war kein Mensch zu sehen. So wagte er sich noch etwas weiter vor. Immer weiter ging er in das Haus, bis Piecks vor einer Krippe stand. Sofort erkannte der kleine Stern: ‚Das ist das Jesuskind, so wie es Vater Mond immer beschrieben hat‘. Piecks ließ ein paar seiner hellsten Strahlen in die Krippe gleiten. Als er sich nach einer Weile umblickte, sah er einen alten Mann auf einer Bank sitzen. Er ging auf ihn zu und stellte sich vor: „Guten Abend, ich bin Piecks. Was machst du hier so allein? Ich denke, Weihnachten feiern alle fröhlich gemeinsam daheim?“, erkundigte sich der kleine Stern. „Nach dem Gottesdienst bin ich hier geblieben“, antwortete der alte Mann, der es kaum fassen konnte, einen echten Stern vor sich zu sehen. „Hier ist es schön warm und auf mich wartet keiner daheim. Nun kommst du kleiner Stern und bist ein richtiges Weihnachtswunder. Erst strahlst du in die Krippe, wie vor zweitausend Jahren der Weihnachtsstern und nun unterhältst du dich auch noch mit mir. Das ist Weihnachten! Danke kleiner Stern!“ „Ich bin gekommen, um zu sehen, wie ihr Menschen Weihnachten feiert, aber nun muß ich weiter. Ich wünsche dir ein gesegnetes Christfest“, verabschiedete sich Piecks und verließ leise die Kirche.

Weiter ging er von Haus zu Haus und schaute in die Fenster. Er sah lachende Menschen, die dabei waren Geschenke auszupacken. Er erlebte Menschen die musizierten und sangen. Beim nächsten Fenster sah er eine alte Frau. Sie hatte nur eine Kerze angezündet und keinen strahlenden Tannenbaum. Hier verweilte Piecks etwas länger. Nun entdeckte ihn die Frau und kam ans Fenster. „Das gibt`s doch nicht“, rief sie. „Ein Weihnachtsstern! Und das bei mir!“ „Ich bin auf die Erde gekommen, um zu sehen wie die Menschen Weihnachten feiern“, erklärte der kleine Stern. „Bei mir gibt es kein Weihnachten. Meine Kinder feiern mit ihren Freunden. Ich bin allein“, sagte traurig die alte Frau. „Weihnachten ist bei allen Menschen“, sagte Piecks und setzte sich aufs Fensterbrett. „Du hast dir ja dein Kleidchen zerrissen! Komm rein, ich werde es dir flicken“, schlug die alte Frau vor. Nun strahlte Piecks besonders hell. „Danke! Das ist lieb von dir“, freute sich der kleine Stern und kam schnell in die Stube.  Als sein Kleidchen jedoch wieder heil war, wollte er schnell weiter wandern. Längst hatte er noch nicht alles gesehen.  „Ich danke dir kleiner Stern für deinen Besuch. Nun ist auch bei mir Weihnachten“, bedankte sich die Frau beim Abschied.

Wieder schlich der kleine Stern von Haus zu Haus und schaute durch die Fenster. Langsam wurden in den Wohnungen die Lichter an den Weihnachtsbäumen gelöscht, die Menschen begaben sich zur Ruhe. Nun drang nur noch Licht aus einem Haus am Rande des Dorfes. „Ich muß einmal sehen, was dort los ist“, nahm sich der kleine Stern vor. Hier sah er eine junge Mutter am Bett ihres kleinen Kindes sitzen, das nicht einschlafen konnte. Die Mutter war schon ganz müde, aber Bärbelchen konnte vor Fieber kein Auge schließen. Die Mutter machte dem Kind kühle Umschläge. Piecks blieb auch hier etwas länger stehen und wurde von dem Kind entdeckt. „Mutti. ein Stern!“, rief die Kleine aufgeregt. ‚Nun fängt sie auch noch an zu fantasieren‘, bangte die Mutter angstvoll. Aber automatisch sah sie doch zum Fenster. Tatsächlich, da war ein Stern, ein richtiger Stern! Die Mutter ging zum Fenster, um es zu öffnen. „Ich bin Piecks“, stellte sich der kleine Stern vor und erzählte wie er auf die Erde gekommen war. Piecks ging zu dem kleinen Mädchen ans Bett und erzählte ihm ein Sternenmärchen. Ganz ruhig schlief Bärbel ein und träumte von dem kleinen Stern. Als das Mädchen am Morgen erwachte ging es ihm schon viel besser. Den kleinen Stern vergaßen die Beiden nie.

Nun schlief das ganze Dorf und Piecks dachte darüber nach, wie er wohl wieder zu seinen Sternenbrüdern an den Himmel kommen könnte. Da sandte Vater Mond seine Strahlen auf die Erde direkt vor den kleinen Stern. „Vater Mond“, staunte der Kleine. „Ich habe dich beobachtet. Du hast den Menschen Weihnachtsfreude gebracht, darum hole ich dich jetzt ab. Steig schnell auf meinen Mondstrahl und halte dich gut fest.“ Das ließ sich der kleine Stern nicht zweimal sagen. Schnell kletterte er auf den Mondstrahl und war in wenigen Sekunden oben bei seinen Sternengeschwistern. Jedes Jahr zur Weihnachtszeit dachte er an seinen Ausflug auf die Erde.

(c) Ch. Telker

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