Der Adventskalender

 

Mandy lag träumend im Bett, ihre Augen wanderten wie von selbst in ihrem Zimmer umher. Gerade hatte die Mutti ihr eine gute Nacht gewünscht, nachdem sie ihr ein Weihnachtsmärchen erzählte. Mutti konnte so schön erzählen, daß Mandy meinte, es selbst zu erleben. In der Adventszeit war das besonders schön. Mandy wünschte sich in jedem Jahr einen Bilderkalender, der sie mit 24 Türchen bis zum Weihnachtsfest begleitete. Zu jedem Türchen das Mandy öffnete, dachte sich die Mutter eine Geschichte aus. Heute war das Christkind mit seinem goldenen Schlitten zu sehen. Muttis Geschichte endete, wie das Christkind im Winterwald mit seinem Schlitten landete. Auf einem Mondstrahl war es von einer Wolke herabgeschwebt, um nun den Kindern seine Gaben zu bringen. „Ach, wenn ich das Christkind doch begleiten könnte“, dachte Mandy, „ich wollte auch keine Geschenke, einfach nur auf dem goldenen Schlitten mitfahren.“

Immer wieder schaute sie zu ihrem Kalender empor, der sie magisch anzog. Doch dann Aufeinmal; sie konnte es noch gar nicht fassen, saß sie vorn in dem goldenen Schlitten, direkt neben dem Christkind. Die Schimmel trabten so schnell, daß der Wald nur so an ihnen vorbeiflog. Wo waren sie nur? Hier gab es nichts als Wald, tiefen verschneiten Wald. Durch den frisch gefallenen Schnee leuchtete der Wald in silbernem Glanz. Plötzlich merkte Mandy, daß sie fror und fing mächtig an zu zittern, saß sie doch nur mit dem Nachthemd bekleidet auf dem Schlitten. Schnell legte ihr das Christkind seinen schneeweißen Pelzmantel um und reichte ihr seine goldenen Stiefelchen. Mandy kam sich vor wie im Traum. Sie sah jetzt aus wie eine Prinzessin.

Plötzlich ertönte aus der Ferne ein starkes Rauschen, wie das eines Sturmes, das immer näherkam. „Was ist das?“, fragte Mandy voller Schrecken. „Das ist der Zauberer Eisig. Er ist sehr gefährlich. In jedem Jahr versucht er mir den Schlitten mit den Geschenken abzujagen. Bis jetzt ist es ihm jedoch noch nicht geglückt, aber wenn nicht bald ein Wunder geschieht, weiß ich keinen Rat mehr.“

 „Ach wäre ich doch jetzt in meinem warmen Bett“, dachte Mandy und bekam große Angst. Immer näher kam Eisig. Die ersten Päckchen wurden von dem starken Schneesturm ergriffen und davongetragen. Ein höhnisches Lachen begleitete den Sturm. Die Schimmel waren am Ende ihrer Kraft, nur noch mühsam kämpften sie sich vorwärts. Plötzlich erstrahlte ein heller Schein vom Himmel herab und schon stand ein winziges Wesen auf dem Schlitten mit einem Zauberstab in der Hand und gebot Eisig Einhalt. Mandy sah staunend und zitternd vor Angst, dem Treiben zu. Als Eisig den Kampf aufgab und der Mond sein strahlendes Licht zur Erde sandte, wagte sich Mandy zu fragen: „Wer bist du, daß du, kleines Wesen, mehr Kraft hast als der Zauberer?“ „Ich bin die Weihnachtsfee. Mein Wunsch ist, daß jedes Kind der Erde zu Weihnachten glücklich ist. Als ich nun durch mein Fernrohr sah und erlebte wie Eisig euch bedrängte, kam ich euch schnell zur Hilfe. Meinem Zauberstab kann keiner widerstehen“ Nun staunte Mandy und schaute mit offenem Mund die Weihnachtsfee an.

„Aber die verlorenen Pakete?“, fragte sie dann. Nun nahm die Weihnachtsfee noch einmal ihren Zauberstab zur Hand und alle Geschenke waren wieder an ihrem Platz. Freudig bedankte sich das Christkind für die Rettung. Auch die Schimmel hatten sich wieder erholt und trabten fröhlich weiter. Schon bald sahen sie von weitem die ersten Lichter einer Stadt aus der Ferne. Ein großer, hell erleuchteter Weihnachtsbaum grüßte vom Marktplatz her. Der Weihnachtstag hatte begonnen, heute war der 24. Dezember.

Mandy öffnete die Augen und sah Mutti vor sich, die ihr einen Gutenmorgenkuß gab. „Mutti gibt es eine Weihnachtsfee?“, fragte Mandy. „Aber natürlich mein Schatz“, kam die Antwort. Ihr Geheimnis behielt Mandy für sich. (c) Ch. Telker

 

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