Das Christkind

 

Eisig wehte der Wind durch die verschneiten Straßen. Ingolf war froh, nach der langen Fahrt endlich daheim zu sein. Er trat in den Flur und schüttelte sich erst einmal den Schnee aus dem Mantel. Oh, wie war es doch schön endlich daheim zu sein. Die Heizung hatte Gaby voll aufgedreht. Auf dem Tisch lag ein Zettel: „Mein Liebling! Mach es dir gemütlich, Paula schläft, die Tür zum Kinderzimmer ist offen. Bis morgen früh Gaby.“ Ingolf wußte, daß er jetzt nur sein kleines Mädchen schlafend antreffen würde, da Gaby Nachtdienst in der Klinik hatte. Es war ihre letzte Schicht, dann kam für die kleine Familie das Christfest. Nachdem sich der junge Mann aufgewärmt hatte, ging auch er schlafen. Morgen früh mußte er zeitig für Paula ausgeschlafen sein, da Gaby nach ihrem anstrengenden Dienst erst einmal Schlaf benötigte.

Am nächsten Morgen kam Gaby ganz aufgeregt heim. „Guten Morgen ihr Lieben! Na noch nicht ausgeschlafen? Heute ist Weihnachten!“ Paula hüpfte sofort aus dem Bett „Weihnachten, Weihnachten!“, rief sie immer wieder. „Nun komm, leg dich erst mal hin. Paula und ich werden den Baum nach dem Frühstück schmücken“, meinte ihr Mann, noch etwas verschlafen. „Aber bitte weck mich um zwölf Uhr, ich habe eine große Überraschung für euch und muß unbedingt noch einkaufen“. „Das können wir doch machen, schreib uns auf, was benötigt wird. Wir holen es dann schon“. Ingolf gönnte seiner Frau den Schlaf. Diesmal aber blieb Gaby stur. „Ich muß die Einkäufe selbst machen, sonst kennt ihr meine Überraschung“. Paula schaute ihren Vater fragend an, dieser zuckte nur mit den Schultern.

Als Ingolf mittags seine Frau weckte, lief sie ganz eilig in die Kaufhalle. Danach machte sie sich fertig, deckte den Kaffeetisch und alles ging seinen gewohnten Gang. Nach dem Kaffee ging Paula mit ihren Eltern zur Christvesper. Im Anschluß daran war in jedem Jahr die Bescherung.

Paula freute sich über ihren neuen Puppenwagen und das hübsche Puppenkind. Als alle Geschenke ausgepackt waren, fragte Ingolf etwas neugierig: „Was ist denn nun deine Überraschung?“ „Wartet ab, die kommt morgen früh“, schmunzelte Gaby. „Heute ist doch Weihnachten“, staunte Paula und schaute kurz vom Spiel mit ihrer neuen Puppe auf.  „Wartet ab“, lächelte Gaby noch einmal, in sich hinein.

Am ersten Feiertag hielt es keinen der drei lange im Bett. Kaum war das Frühstück beendet, fragte Paula auch schon: „Wo ist die Überraschung?“ „Na dann zieht euch mal an, damit wir rausgehen können“, forderte Gaby nun ihre kleine Familie auf. „Anziehen? Ich denke, die Überraschung ist schon hier“, wunderte sich Paula. „Nein, sie ist noch nicht hier! Wir müssen sie holen“, lächelte die Mutti.

‚Wo geht es nur hin? Der Weg führt direkt zu Muttis Arbeitsstelle‘, überlegte Paula. ‚Was will Mutti nur im Krankenhaus? Die Bescherung für die Kinder war doch schon am vierten Advent gewesen. ‘ Paula kam aus dem grübeln nicht heraus. Mutti ging ins Schwesternzimmer und kam mit Schwester Gisela wieder. „Na, wollt ihr euer Christkind abholen?“, fragte diese und sah Paula an. „Unser Christkind?“ Paulas Augen wurden immer größer. „Dann kommt mal mit“. Schwester Gisela führte nun die drei zu einem Zimmer und öffnete die Tür. Und da lag ein kleines, schlafendes Baby. „Ist das süß“, rief Paula voller Begeisterung. „Ein Kind für uns?“, staunte jetzt auch Ingolf. „Wir wollten doch schon immer ein Geschwisterchen für Paula und dies Christkind wurde uns gestern vor die Tür gelegt“, erklärte Gaby. „Wir können es behalten?“ Paula umarmte stürmisch ihre Mutti. „Das weiß ich noch nicht. Da gibt es noch vieles, was geregelt werden muß“, erklärte Gaby ihrer Tochter. „Heute dürfen wir es mitnehmen, das hat Doktor Berger erlaubt.“ Die Freude der ganzen Familie war groß.

Als im nächsten Jahr die Kerzen angezündet wurden und Christian freudige Schreie ausstieß beim Anblick des Weihnachtsbaumes, feierten alle gemeinsam den ersten Geburtstag ihres Christkindes.

(c) Ch. Telker

 

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